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Musiktherapie

Musiktherapie ist als Ausdrucksmittel für Emotionen so alt wie die Menschheit selbst.

So wie bestimmte Grundgefühle wie Trauer und Wut, Freude usw. in allen Völkern die gleiche körperliche Ausdrucks form haben (lachen, weinen...), gibt es auch in der Musik universelle Darstellungen dieser Gefühle. Die Stimme als körperliches Instrument teilt uns sofort die Stimmung oder die persönliche Befindlichkeit unseres Gegenübers mit. Auch über andere Instrumente kann solchen inneren Zuständen eine Stimme verliehen werden.

Die Musiktherapie geht von einer Entsprechung seelischer und musikalischer Vorgänge aus.

Die größere Nähe zum emotionalen Bereich lässt sich schon neurophysiologisch in der Tatsache begründen, dass Sinnesreize über das Gehör, über den Thalamus, das limbische System erreichen. Diese Entsprechung macht sich die Musiktherapie (MT) in der Form zunutze, dass sie den musikalischen Ausdruck ins Zentrum der Behandlung rückt. Dazu wird mit der Methode der Freien Improvisation gearbeitet. Das freie Spiel des Patienten, ohne Noten oder sonstige Vorgaben, ermöglicht es ihm, ohne Worte Gefühle auszudrücken, die sonst nur schwer zu artikulieren sind.

Aus dem Umgang mit dem Instrumentarium und dem musikalischen Habitus des Patienten lassen sich erste Ansätze für Diagnose und Therapie ableiten. Da die meisten Instrumente an sich schon einen Symbolcharakter inne haben (Volksmund: “auf die Pauke hauen...), löst die Konfrontation mit diesen oftmals recht schnell den Grundkonflikt des Patienten aus, der dann durch therapeutisch geleitetes Probehandeln auf den Instrumenten sowie durch die Aufarbeitung im therapeutischen Gespräch einer Lösung zugeführt werden kann. Die MT geht dabei ressourcenorientiert vor.

Im Zusammenspiel mit den Mitpatienten in der Gruppe und/oder dem Therapeuten werden die Gruppendynamik ebenso, wie verschiedene Beziehungsmodalitäten und damit oft auch –störungen spürbar:

Zwischen dem imitierenden, sich anpassend anklammernden Spiel des depressiv strukturierten Patienten bis hin zum abgekapselt, für sich spielenden schizoiden Modus liegt eine breite Palette musikalischen Verhaltens, das die verschiedenen zwischen- menschlichen Konflikte widerspiegelt. Im letzteren Fall bildet die non-verbale Ebene der Musik oftmals den einzigen noch möglichen Zugang zu schwer gestörten Patienten (z.B. schizophrenes Residuum).

Besonders sog. Frühgestörte Patienten berichten oftmals von der positiven Erfahrung des Gehalten-Werdens, von dem Umhüllt-Sein durch die Musik. Sie fühlen sich auf einer tiefen Ebene verstanden und gehalten.

Erkenntnisse der neueren Säuglingsforschung haben ergeben, dass der sog. Urdialog zwischen Mutter und Kind (der lautliche Austausch), sich als eine Art primitiver Sprechgesang darstellt, der in seiner Regelhaftigkeit musikalischen Phänomenen entspricht. Im musikalischen Dialog mit dem Musiktherapeuten können die frühen Interaktionsmuster reaktiviert werden, welche im verbalen Gespräch oft nur diffus spürbar werden. Dies gibt der MT die Möglichkeit, Störungen oder Abbrüche in der Kommunikation ausfindig zu machen, um dem Patienten dann eine adäquatere Resonanz auf seine Bedürfnisse anzubieten. So werden frühkindliche Defizite angesprochen und in der therapeutischen Beziehung bewusst gemacht. Diesen Mangel zu betrauern, kann Platz für neue Beziehungserfahrungen schaffen.

Insgesamt ist es wichtig festzustellen, dass die MT je nach Indikation über beide Möglichkeiten verfügt: entweder aufdeckend oder Ich-stützend in der Behandlung vorzugehen. Das Anbieten von Spielregeln und Strukturhilfen kann der Stabilisierung des Patienten zuträglich sein.

 

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