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Psychoedukatives Training für schizophrene Patienten

Ein verhaltenstherapeutisches Programm zur Förderung des Krankheitsverständnisses und zur Rezidivprophylaxe
(orientiert an den Konzepten von Kieserg & Hornung, Bäuml, Behrendt)

Was ist Psychoedukation?
„... eine verhaltenstherapeutische Variante von Psychotherapie im weiteren Sinne. Sie fokusiert v.a. die Problembewältigungsperspektive und zielt darauf ab, zum Verstehen und zur Verarbeitung des Krankheitsgeschehens beizutragen, Ängste zu reduzieren, ein positives Selbstbild zu fördern und die Autonomie der Betroffenen zu stärken. Notwendige Bestandteile sind die Erarbeitung eines gemeinsamen Krankheitskonzeptes sowie die gezielte Förderung der Selbsthilfe- und Bewältigungskompetenzen der Betroffenen im Umgang mit ihrer Verletzlichkeit bzw. Erkrankung.“ (Wienberg 1992, S. 200)

Worum geht`s also?
Unserem Gruppenprogramm liegt ein multidimensionales Modell der Schizophrenie zugrunde, orientiert am Diathese-Stress-Modell. Die Wechselwirkung zwischen somatischen Faktoren, also dem Krankheitsgeschehen im engeren Sinn, und psychosozialen Einflüssen haben eine tragende Rolle für den Krankheitsverlauf nach der ersten schizophrenen Episode. Demnach ist die Entwicklung des Krankheitsgeschehens u.a. auch davon abhängig, welche Vorstellung die Patienten von ihrer Störung haben, wie sie ihrer Behandlung (medikamentöse und nichtmedikamentöse Ansätze) akzeptieren, welche Fähigkeiten und Ressourcen ihnen im Umgang mit Belastungen und Krisen zur Verfügung stehen. Der psychoedukative Ansatz stellt somit ein Bindeglied zwischen medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung dar, einen Ansatz für eine gemeinsame Sprache von Patienten und Therapeuten sowie einer Förderung der Mitbestimmung und Mitverantwortung der Betroffenen in der Behandlung auf der Basis von fundiertem Wissen über die eigenen Erkrankung.
Ziel ist daher v.a. Krankheitsaufklärung: Also neben der Erarbeitung eines angemessenen Krankheitsverständnisses und der Rückfallprävention, der Aufbau spezieller Fertigkeiten und Einstellungen im Bereich der Krankheitsbewältigung und dem Umgang mit Belastungen und Krisen. Auf diese Weise können Häufigkeit und Schwere psychotischer Rückfälle, lange stationäre Aufenthalte und nicht zuletzt die emotionale Belastung reduziert werden.
Methodisch greifen hierfür die ausführliche Vermittlung von Informationen zur Erkrankung, die Möglichkeit zur Selbstbeobachtung und der gegenseitige Austausch subjektiver Erfahrungen der Patienten ineinander. Die Betroffenen sollen den Raum haben, sich mit ihrer Erkrankung, deren Behandlung und den eigenen Einflussmöglichkeiten auseinander zusetzen, ihren bisherigen Bewältigungsstil kennen- und möglicherweise modifizieren zu lernen. Aus dieser Perspektive werden die Patienten als „Experten ihrer Erkrankung“ im Sinne von Böker (1991) gesehen, die Unterstützung in Anspruch nehmen, um sich zur Selbsthilfe anregen zu lassen.

Für welche Patienten ist die Gruppe gedacht?

  • Patienten mit schizophrenen oder schizoaffektiven Störungen
  • Remittierende Patienten
  • Ersterkrankte
  • Patienten mit skeptischer Haltung gegenüber der Diagnose 

Warum Gruppenprogramm und keine Einzelbehandlung?
Die Gruppensituation bietet gegenüber einer Einzelbehandlung die folgenden
wesentlichen Vorteile:

  • Die Betroffenen können die Erfahrung machen, mit ihrem Problem nicht alleine zu sein („Was, das hast Du auch erlebt?“)
  • Eigene Erfahrungen mit ungünstigen Bewältigungsversuchen können eingebracht werden. („Ich wollte nicht von Medikamenten abhängig sein, deshalb habe ich sie zu Hause sofort abgesetzt, nach einer Woche ging es mir wieder ganz schlecht...“)
  • Die Gruppenteilnehmer erleben Solidarität und Zusammenhalt mit betroffenen
    Mitpatienten
  • Gerade im Hinblick auf günstige Bewältigungsstrategien können sich die Teilnehmer gegenseitig Modell sein

Wie sind die Gruppen inhaltlich genau aufgebaut?
Vermittlung von Informationen über die Erkrankung und Erarbeitung
eines Krankheitskonzepts

  • Information über mögliche Symptome
  • Information über Entstehungsbedingungen und Ursachen, Vermittlung des
    Vulnerabilitäts-Stress-Modells
  • Information über Häufigkeit der Erkrankung, Verlauf und Prognose

Behandlungsmöglichkeiten

  • Nichtmedikamentöse Behandlungsansätze
  • Medikamentöse Behandlung: Wirkweisen und Nebenwirkungen (v.a.) der
    Neuroleptika, Umgang mit Nebenwirkungen
  • Probleme in der individuelle Medikation (Selbstbeobachtung)
  • Optimierung der Einnahmepraxis

Rezidivprophylaxe

  • Stressbewältigung: allgemeine wichtige Informationen über Stress, Erkennen
    individueller Stressfaktoren und Erarbeitung von Bewältigungsstrategien
  • Problemlösestrategien
  • Erkennen von und Umgang mit Frühsymptomen
  • Entwurf individueller Krisenpläne
  • Umgang mit anhaltenden Symptomen

Rahmenbedingungen

Die Gruppe findet zweimal wöchentlich statt, sie ist offen, d.h.
ein Einstieg zu einem beliebigen Zeitpunkt und eine ambulante Fortführung der
Gruppenteilnahme ist möglich.

Die Patienten erhalten Arbeitsblätter und Informationsmaterial, um sich über die
Gruppensitzungen hinaus vertiefend mit den Inhalten beschäftigen zu können.

 

 

 

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